Nächstes Konzert JSO: Big Bang

Sonntag 26. Februar 2012  18 Uhr Tonhalle Großer Saal

Peter Gahn "Nachtsicht 2" (Uraufführung)

Maurice Ravel "Ma mère l'Oye"

Johannes Brahms Symphonie Nr. 2 D-Dur


Karten zu 5 Euro auf allen Plätzen

 
Das JSO der Tonhalle in Danzig PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ernst von Marschall   

Danzig – Symbol von Unabhängigkeit und Freiheit

Staubedingt hätten die letzten 280 km von Hannover nach Düsseldorf mit 7 Stunden Fahrzeit die Nerven aller Beteiligter strapazieren müssen – diese nahmen es aber nach begeisternden Tagen in Danzig gelassen. Am Mittwoch, 31. Oktober war das 50-köpfige Ensemble mit vier Betreuern, seinem Dirigenten und einem Doppelstock-Reisebus der Firma Schröder über Szczecin (Stettin, dort gemeinsames sehr polnisches leckeres Abendessen in einem kleinen Restaurant und Übernachtung in der Jugendherberge) nach Danzig aufgebrochen, wo es am 1. November um 15.30 h ankam. Unterwegs waren bereits die zahlreichen und auffallend gut besuchten Feiern auf den Friedhöfen entlang der Straße zum Allerheiligen- und Allerseelentag aufgefallen. Halb Polen schien auf den Beinen zu sein. Auch Danzig war von diesen Feiern geprägt. Gleich nach dem Einchecken in der sehr gastlichen Unterkunft „Dom Musyka“ – die Musikakademie verfügt auch über ein sehr empfehlenswertes Hotel - führte ein gemeinsamer Spaziergang in die in unmittelbarer Fußnähe liegende Altstadt, zur Brigittenkirche, Marienkirche, durch die Lange Gasse, Frauengasse – gemeinsames Abendessen im Restaurant der „Dom Muzyka“, der Abend frei. Am Freitag morgen traf man sich zur Probe in der Musikschule, einem Musikgymnasium, das hörbar diese Bezeichnung verdient, denn zu uns stießen spontan drei polnische Geigerinnen und eine Cellistin, die vom Blatt mit uns probten und sich in den schwierigen Werken mit bewundernswerter Souveränität zurecht fanden. Um 13 Uhr spielten wir dort für die Schule ein ordentlich besuchtes Schulkonzert, und brachen sofort zu einem Ausflug nach Zoppot auf, dem traditionsreichen Badeort an der Ostsee, wo wir auch die längste Mole Europas erkundeten. Auf dem Rückweg sahen wir die beeindruckende Kathedrale von Oliva und konnten sogar kurz die Orgel hören - pünktlich zum Abendessen im Restaurant der „Dom Muzyka“ – der Abend frei. Der Samstag Vormittag diente notwendiger Ruhe, denn schon mittags mussten wir die Hotelzimmer räumen. Erst nach dem Mittagessen verließen wir das Hotel und erhielten in zwei Gruppen aufgeteilt eine Stadtführung. Bis zum Konzert in der Brigittenkirche war noch Zeit, die unterschiedlich genutzt wurde. In der Musikschule gab es Aufenthalts- und Einspielräume. Von dort war man in wenigen Minuten an der Brigittenkirche. Alles schien gut vorbereitet, mit Spannung erwartete das JSO das große Konzert – doch verwunderte es, dass zur vereinbarten Zeit für die Anspielprobe (18.45 h) eine Messe gehalten wurde, die auch nicht enden wollte. Dies tat sie auch erst zum Konzertbeginn (19.30 h). Menschen, die die Messe verließen, wussten nichts von einem bevorstehenden Konzert, es gab keine Programme, keine Plakate, keine Ankündigung im Internet – und offensichtlich auch noch kein Publikum. Doch war das JSO als Gruppe im Vorfeld positiv aufgefallen, besonders im Hotel, auch in der Musikschule, und das zahlte sich aus, denn von dort kamen Interessierte, die uns angesprochen und gefragt hatten, wann und wo wir spielen werden. Diese wuchsen zu einem kleinen Publikum, das JSO verzichtete auf seine Anspielprobe und spielte wie wenn es um sein Leben ginge. Allen war klar, dass die meisten an diesem Abend vermutlich zum letzten Mal in ihrem Leben „Kol nidrei“ und die „Scheherazade“ spielen werden. Und das war zu hören. In der Kirche war es zwar kalt, womit besonders die Harfen zu kämpfen hatten (eine ohnehin schon etwas baufällige Harfe fiel schließlich komplett aus), auch die Holzbläser, nein alle hatten es sehr schwer. Aber die Akustik war hervorragend und das Orchester fand sich in ihr gut zurecht - es wurde ein sehr bewegendes Konzert - in weiten Teilen deutlich besser als das Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle. Großartig und ganz anders als in Düsseldorf (deutlich langsamere Tempi, und doch leidenschaftlich) Laura Mehlin in „Kol nidrei“ (im Publikum wurden Tränen aus den Augen gewischt), Souverän und von großer und authentisch wirkender Musikalität Katarina Dyck in der Scheherazade, die ihr auf den Leib komponiert zu sein schien.) Zugabe: W.A. Mozart Adagio für Englisch Horn (Alexander Lampl mit wunderschön differenzierter Gestaltung) und Streicher. „Antoine“ holte alle mit dem Bus an der Kirche ab und brachte sie ins Hotel, wo man sich an der Bar noch einmal zu einem Getränk versammelte (dazu Session Beatbox & Rap von Bojan und Jan), bevor die Heimreise durch die Nacht anzutreten war. Von den Friedhöfen leuchteten die zahlreichen „ewigen Lichter“ und begleiteten das Orchester auf seinem Weg bis zur Grenze. Das JSO ließ sich ein Frühstück im neuen Berliner Hauptbahnhof nicht nehmen, nicht ohne zuvor so viel wie möglich von Berlin gesehen zu haben: Den Alexanderplatz, das rote Rathaus, Unter den Linden mit Staatsoper und Neuer Wache, St. Hedwigs Kathedrale, Hotel Adlon, Brandenburger Tor, Mahnmal für die Opfer des Holocaust, Potsdamer Platz, Philharmonie, Tiergarten, Regierungsviertel mit Bundeskanzleramt, Reichstag, Moabit, vorbei an Schloss Bellevue, Siegessäule, Straße des 17. Juni, Deutsche Oper, Funkturm, Avus und weiter über Magdeburg zügige, sehr zügige Fahrt bis Hannover … Das JSO hat Danzig vor allem von seiner historischen Seite und somit als ein Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit von Fremdherrschaft, als die Stadt von der die Befreiung des Ostblocks ausging, kennen gelernt. Es wurde deutlich, dass die Historie der Stadt mit dazu beigetragen hat, dass ausgerechnet in ihr eine Bewegung wie die der „Solidarnosz“ entstehen und stark werden konnte. Das JSO dankt von Herzen der Leitung der Danziger Musikschule, Frau Wilde und Frau Poznanska, die uns mit großer Mühe alle großen Instrumente vor Ort organisiert und transportiert hat, darunter neben dem großen Schlagzeug und den Kontrabässen die beiden Harfen, es dankt Angela Dorn für ihre fürsorgliche Begleitung und ihr waches Kümmern um alle Minderjährigen und ihre Sorgen – und deren stete Vollständigkeit. Und es dankt Wolfgang Schlappa und seiner Frau für die Organisation der ganzen Fahrt, für sein großartiges Verhandlungsgeschick und findiges spontanes Organisieren von Brötchen zu den unmöglichsten Zeiten, für sein Engagement in allen Fragen …"
 
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